Zauberei hoch 3

Wunder. Punkt. öffnet die doppelten Böden der Zauberkunst.

Kategorie-Archiv: Hintergründe

Mit der Blechtrommel gegen den Faust 2

Autor: Peter Grandt

BILD tauscht Goethe gegen Grass.

25 Bücher auf Deutsch, die jeder gelesen haben sollte“, so eine Überschrift der Bildzeitung zum 1.10.2015 in ihrer Bundesausgabe. Hellmuth Karasek … ist einer der bekanntesten Literaturkritiker und Bestsellerautor („Frauen sind auch nur Männer“). Seine Empfehlungen umfassen die gesamte deutschsprachige Literatur.“ Zitat-Ende.

Was der Gewährsmann der Bildzeitung, Hellmuth Karasek, empfiehlt, ist sehr erhellend. Kein Klassiker schafft es bei ihm auf die ersten 25 Plätze. Platz 1, das wichtigste deutsche Buch, ist bei Karasek/Bild übrigens „Die Blechtrommel“. Platz 2 geht bereits nur noch an Kafka. Platz 3 macht „Effi Briest“, Fontane wird ein zweites Mal auf Platz 11 gesetzt, mit „Jenny Treibel“…

Thomas Mann, das sei der Ehren halber erwähnt, wird immerhin auch zweimal aufgefunden, aber erstmalig auf Platz 10. (Über ihm stehen: Siegfried Lenz „Deutschstunde“ auf Platz 4 und Ruth Klüger „weiter leben“ auf 5 und dann irgendwo noch Herrndorf und Musil!)

Karasek wertet selbst Jelinek, Joseph Roth, Thomas Bernhard und gar Heimito von Doderer, Sven Regener, Peter Handke und Tellkamp sehr viel höher als Goethe, Schiller und Heine. Wer sich ansehen mag, was die Bild-Zeitung aus dem Land der Dichter und Denker machen will, der lache sich unbedingt kaputt über die freie Meinungsäußerung des Herrn Karasek. Plötzlich begreifen wir, warum die medienbesitzenden Kräfte aus ihm einen „der bekanntesten Literaturkritiker“ gemacht haben. Bild faselt im Internet gar vom „Vermächtnis Karaseks“, so begeistert sind sie von seiner Liste.

Man sollte die „Literatur-Experten“ unbedingt auffordern, uns erst ihre Liste der wichtigsten deutschsprachigen Bücher kundzutun, bevor wir mit ihnen reden!

Der Autor (Peter Grandt) auf der Theaterbühne.

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Nobelpreisverdächtig

Autor: Peter GrandtWeitersagen!

15.10.2012

Meldung des Tages:

Nobelpreis für Roth und Shapley

Als „gelernter DDR-Bürger“ erfreut man sich immer wieder an den verblüffenden Erkenntnissen westlicher Eliten. Bereits zweihundert Jahre nach Marx finden zwei amerikanische Wissenschaftler heraus, daß die Angebots-Nachfrage-Lehre, die Marktwirtschaft, für einige wesentliche Teilbereiche der Gesellschaft nicht anwendbar ist. Diese Wissenschaftler erkennen als solche Teilbereiche beispielsweise die Kunst, die Zuteilung von Universitäts-Ausbildungsplätzen und die Vergabekriterien bei Organspenden.

Da wundert man sich zunächst über diese merkwürdige Aufzählung von „gesellschaftlichen Teilbereichen“. Man selbst käme, (bis auf die Kunst), auf ganz andere Bereiche (öffentlicher Verkehr, Medien, Bildung, Politik, Alten- und Krankenpflege, Gütekontrollen jeglicher Art). Aber schnell wird klar: das ist ja gerade der nobelpreisverdächtige Einfall. Das Auszeichnungswürdige an diesen beiden Wissenschaftlern ist, daß es sich bei ihnen eben nicht um Gesellschaftswissenschaftler handelt! Das Nobelkomitee ehrt mit Alvin E. Roth und Lloyd S. Shapley zwei  M a t h e m a t i k e r. – Sind sie nicht putzig, unsere Eliten? Wenn der Kapitalismus auch Fehler hat, aber es sind mathematische! – Oder auch neurobiologische:

Amerikanische Wissenschaftler erforschen nämlich gern, warum immer alles so entsetzlich daneben geht. (Das Römische Reich sei schließlich auch untergegangen). Dazu untersuchen sie, warum wir auf die Tricks der Zauberkünstler immer wieder hereinfallen! Der Mensch kann nichts dafür, er ist nun mal so anfällig für Manipulationen. Es sind die Gene. Glauben sie. Glaube ich. Die Biologen in Amerika machen auch auf Gesellschaftskunde. Und sie untersuchen dazu nicht die Welt, sondern ein poetisches Abbild der Welt: uns Zauberkünstler… Meine Hochachtung!

Die Gründe des Scheiterns der Kyoto-Protokolle werden uns also demnächst die Ohrenärzte erklären, denn der Mensch hört leider zu einem erheblichen Teil ziemlich schlecht. Nobelpreis 2023! (Oft ist es auch die Schuld der Dolmetscher, sagte jüngst erst wieder Helmut Schmidt. Auf der Welt werden zu viele Sprachen gesprochen! – Wenn davon das Nobelpreiskomitee Kenntnis erhält, wird Schmidt die Auszeichnung nicht zu nehmen sein!)

Die Schere zwischen Arm und Reich läuft immer weiter auseinander. Ob die Gründe dafür nun die Orthopäden (in den Schuhen) oder die Schneiderinnung (in der Schere) finden werden, kann heute keiner vorhersehen. Jedenfalls ist diese Entwicklung alternativlos, soviel läßt sich sagen.

Es ist eine Art „interdisziplinärer Forschung“ nach Art des Zeitgeists.

In Träumen soll ja immer ein „Funke“ Wahrheit sich finden lassen: Ich träumte, Nobel zeigte auf das Nobelpreiskomitee und unsere zeitgeistlichen Eliten und tobte: Wozu habe ich Euch denn das Dynamit erfunden!

Slow Science. – Oder: Ein guter Trick dauert seine Zeit…

Autor: Peter GrandtWeitersagen!

Kaum haben wir Wikipedia als ein übereilt zusammengeschustertes Nachschlagewerk gebrandmarkt, reagieren auch schon Leipzigs Wissenschaftler und rufen die Slow Science aus. (Sage noch einer, Kunst bewirke nichts!). Das war aber auch nicht mehr auszuhalten. Dieses Tempo! Kaum ist eine Partei in den Landtag gewählt, will so ein übereifriger Journalist auch schon ein Parteiprogramm sehen. So was macht doch keiner über Nacht. Da muß man doch in der Demokratie zunächst auch einmal die Wähler befragen. (Frage an die Slow Science: Wenn der Wille der Wähler eine Partei ohne Programm ist, darf dann der Journalist überhaupt eins fordern und derart den erklärten Wählerwillen mit Füßen treten? Und: wo eine Partei sich erst wählen läßt und danach das Volk befragt, was sie ihm denn machen soll, wabert da nicht, liebe Science, ein bißchen der Duft der käuflichen Liebe?)
In Leipzig gilt nun jedoch ein neues Motto: Erst denken, dann handeln! Wenn ich da nicht voreilig interpretiere… Andernfalls wird eben langsamer gehandelt. – In jedem Falle aber eine tüchtige Idee!
Als sich dem Komödianten Karl Dall beim Durchsägen einer Jungfrau die Säge verklemmte, sagte er, während er sich mühte, geistesgegenwärtig: Ein guter Trick dauert seine Zeit! – Kunst ist, wie man sieht, stets der Welt voraus.
Bei WUNDER. PUNKT. gab es noch nie Fast Food. Die Währung der Kunst heißt Genuß! Erleben Sie deshalb, liebe Zuschauer, unser „Wahlprogramm“: Vorzügliches statt Beliebigkeit! Slow Science-Fiction.
Und die Pointe dieser Tagebuch-Eintragung?
Die will in Ruhe überlegt sein…

„Verraten Sie uns mal einen Zaubertrick“

Autor: Markus TeubertWeitersagen!

Der Autor beim Gedanken lesen 😉

„Können Sie uns mal einen Trick verraten?“ – Diesen Satz hört ein Zauberkünstler sehr oft. Er ist angesichts erlebter „Wunder“ ja auch irgendwie verständlich.

Aber, wäre es gut für den Zuschauer, das Geheimnis zu erfahren?

Ein Zauberschüler erzählte mir, dass er kürzlich seiner kleinen Tochter ein Kunststück vorführte. Die kleine war völlig verzaubert und staunte Bauklötzer. Nach einer Weile fing sie an zu drängeln:

„Bitte Papa, erklär mir, wie Du das gemacht hast!“

„Nein, das ist ein großes Zauberergeheimnis, das darf ich nicht einfach verraten.“

„Aber mir kannst Du es doch sagen, ich erzähl es auch nicht weiter!“…

Kurzum, die kleine Prinzessin hatte ihren Papa irgendwann soweit, er verriet ihr das Geheimnis. – – – Darauf rannte sie weinend aus dem Zimmer!

Das Beispiel ist sicher extrem, aber es veranschaulicht wunderbar, was passiert, wenn Zauberkunst auf das Geheimnis reduziert wird.

Ich empfahl es schon an anderer Stelle: Lehn Dich zurück und genieße! Klar, überleg ruhig, „wie sowas gehen könnte“ – das verstärkt das Mysterium. – Aber nicht zu lange! Sonst gibt es den Kolbenfresser im Hirn. Und der tut weh 😉


Weltkulturerbe-Status für Wikipedia

oder: Warum die Gesellschaft “Gesittung” nicht definieren kann

Autor: Peter GrandtWeitersagen!

Wikipedia fordert den Weltkulturerbe-Statusfür ihr Nachschlagewerk!

Bei Wikipedia definiert nicht eine Fachmannschaft mehr einen Begriff; das kann der Laie viel schneller. Statt einer anwendbaren Definition findet man nun umfangreichste Texte, aus denen der Nutzer nach Belieben seine eigene Definition zusammensetzen kann. Definitionsarbeit kann ja so undemokratisch sein! Und so kapituliert die Ausgewogenheit lieber gleich vor der eigentlichen Aufgabe.

Daß der Fachmann lange um eine Definition ringt, dieser Prozeß Kraft, Zeit und Geld kostet, war mal eine Binsenweisheit. Warum hat die Demokratie stets die Tendenz, Arbeitsteilung abzuschaffen statt zu ermöglichen?

Die Portale GMX.de und WEB.de, über die ich an meine E-Mails gelange, sind ebenfalls amerikanische Erfindungen. Auch hier sehen wir, welch hohes Gut Informationen für die amerikanische Informationsgesellschaft sind und mit welcher Sorgfalt sie für uns Nutzer ausgewählt und aufbereitet werden: Wir erfahren, wieviele Hamburger ein Amerikaner in einer Minute fressen kann, wie die Katze heißt, die senkrecht eine Wand hochlaufen kann und wem ein Silikonkissen im Busen verrutscht ist.

Von allen amerikanischen Erscheinungen, die ich schon immer für den Weltkulturerbe-Titel vorschlagen wollte, gehört meine erste Stimme seit langem diesen Mail-Portalen! Unterstützen Sie daher meinen Aufruf! Durch einen Klick auf das Gefällt mir-Zeichen!

Diese Erscheinung Gossen-Journalismus zu nennen, wäre höchst fahrlässig, war doch gerade die Gosse eine Erfindung, die der Hygiene diente. Diese Erscheinung ist weder Journalismus, noch fahrlässig. Sie ist unanständig und vorsätzlich. Gesittungslos eben.

Und nun schlagen Sie mal das Wort Gesittung nach bei Wikipedia
Sag ich doch: Fehlanzeige!

Gesittung: “Leben nach geprüften Grundsätzen”. Peter Hacks.

Zaubern lernen – aber wie?

Autor: Markus TeubertWeitersagen!

Immer wieder werde ich von interessierten Laien gefragt, wie und wo man die Kunst des Zauberns erlernen kann.

Nun, zuallererst ist ein Zauberkünstler Autodidakt. Initialzündung in der Kindheit ist oft der berühmte Zauberkasten. Später hilft aber vor allem ein gutes Zauberbuch aus dem öffentlichen Buchhandel. Hier 2 Empfehlungen:

„Zaubern für Dummies“ von David PogueZaubern für Dummies

Hier wird unterhaltsam und informativ alles behandelt, was das Herz des Zauberlehrlings begehrt: vom lustigen Partyscherz bis zum erstaunlichen Karten – Kunststück. Es gibt sogar Kapitel zur Geschichte und über berühmte Protagonisten der Zauberkunst.

 

 

„Handbuch der Magie“ von Jochen Zmeck

Handbuch der Magie

Das Handbuch der Magie (Erstauflage 1978) ist ein großartiges Grundlagenwerk. Ich wuchs damit auf und schaue selbst aktuell noch hin und wieder rein. Bis heute wird es als Grundlage für die Aufnahme – Prüfung in den Magischen Zirkel von Deutschland verwendet.

Womit wir bei einer durchaus interessanten Anlaufstelle wären. In diesem Dachverband der deutschen Zauberkünstler findet man Kontakt zu Gleichgesinnten, Zugang zur Fachzeitschrift „MAGIE“ sowie zu Fachkongressen und Seminaren.

Die meisten Profi – Zauberkünstler helfen gern beim Einstieg oder geben selbst Unterricht.

Braucht’s noch einen Anstoss? Der könnte auch das Live – Erlebnis einer (guten!) Zaubershow sein. Tipp: am Sonntag, 25.03.2012 spielen wir wieder im Leipziger Kabarett Sanftwut  😉

Wunder.Punkt. Live

Die 3 Zauberkünstler von „Wunder.Punkt.“ – live auf der Bühne.

Ein Meister seines Fachs!

Autor: Robert EsslWeitersagen!
Markus hat bereits hier im Blog von seinem Lieblingskunststück geschwärmt: dem Ringspiel. Er hat damit sein Meisterstück geschaffen! Wer dieses Kunststück hautnah erleben will, der sollte unsere Zaubershow in Leipzig besuchen – im Kabarett Sanftwut.

Um diese Perfektion zu erreichen, hat Markus die alten Meister der Zauberkunst studiert. Ein Ausgangspunkt war dabei natürlich das Ringspiel von Dai Vernon:

Dai Vernon – Ringspiel

Kunststück

Autor: Peter GrandtWeitersagen!

Er oder wir!

Heutzutage hat man es als Zauberkünstler auch nicht eben leicht. Gegen die Kunststücke der Politik muß sich unsereiner am Mark erst mal behaupten! Aber unsere Position bei Wunder. Punkt. ist „kerngesund“, wie man so schön sagt. Kommen, sehen und staunen Sie selbst…! Die anderen, die aus der Politik, sind aber auch nicht ohne Witz, daß muß der Neid ihnen lassen: Die Pleite Griechenlands „bedroht“ die Banken. Die Regierung handelt: „Private Gläubiger“ sollen die Griechenland-Pleite teilweise übernehmen, hört und staunt man. Nun gibt es ja im bürgerlichen Recht so manchen Zauberspruch, um eine Zahlungsunfähigkeit „gewinnbringend zu realisieren“. Das aber hat wirklich Klasse: Pleitezertifikate werden durch einen Hebel vervielfacht und in Umlauf gebracht. Wer soll die kaufen? Sie haben schon gekauft! Die Bank Ihres Vertrauens bucht sie dann einfach in Ihre Fonds. – Geschickte Arbeit nennt man Kunst.

Anleitung zum glücklich sein für die Zuschauer einer Zaubershow

Autor: Markus TeubertWeitersagen!

Juan Tamariz, der wohl beste Zauberkünstler der Gegenwart, sagt: „Für den Zuschauer einer Zaubershow gibt es 2 Möglichkeiten: Entweder er staunt und erfreut sich an den Emotionen und Erkenntnissen, die das Erstaunen mit sich bringen. Oder, er versucht heraus zu bekommen, „wie es geht“. Wenn man das Geheimnis zu ergründen versucht, gibt es wieder 2 Möglichkeiten: Entweder man ist erfolgreich und damit desillusioniert, was für Enttäuschung und Frustration sorgt. Oder man bekommt „es nicht heraus“ – das Ergebnis sind ganz ähnliche Gefühle. Will der Zuschauer also während oder nach einer Zaubershow herausfinden, wie die Zauberei funktioniert, wird er am Ende enttäuscht und frustriert sein. Es ist einfach immer besser, die innere Abwehr aus zu schalten und die Emotionen und Erkenntnisse zu geniessen, die Erstaunen mit sich bringt.“

Wunder Punkt (Foto: Stefan Noebel-Heise)

Es bleibt eigentlich nur die Frage offen, wie der Zuschauer diese „innere Abwehr“ gegen Dinge die sind, aber nicht sein können, im Rahmen einer Zaubershow überwinden kann.
Zu aller erst ist es natürlich meine Aufgabe als Zauberkünstler, dem Zuschauer dabei zu helfen, ihn in der Show an die Hand zu nehmen und zu führen. Aber, dies ist ja eine Anleitung für Dich, lieber Zuschauer.

Es hilft natürlich sehr, ohne Vorurteile in eine Zaubershow zu gehen. Vergiss alles, was Du über Zauberkunst zu wissen meinst. Was man im Fernsehen diesbezüglich zu sehen bekommt, ist nicht repräsentativ. Die Klischees (Täubchen, Tüchlein, Glitzerjackett, bunte Zauberkisten) treffen nur in schlechten Shows zu – und von diesen sprechen wir hier ja nicht 😉 Also, komm offen und neugierig!

Zuschauer bei Wunder Punkt (Foto: Stefan Noebel-Heise)

Freilich lebt Zauberkunst auch von dieser Spannung, dass der Zuschauer hinter das Geheimnis kommen und der Künstler dies verhindern möchte. Es ist nicht wirklich zu verhindern, dass man grübelt und fragt: „Wie geht denn so was?“ Aber, bleib locker! Denk daran, wie schön es ist, zu staunen, zu genießen, zu lernen.

Roberto Giobbi, ein weiterer Großer unserer Kunst, schreibt: „Es liegt eine tiefe Schönheit in versierter Verwunderung. Zauberkunst stimuliert unsere Fantasie und tut mehr für uns, als wir erklären können.“

Über Zauberkunst – Der Kreuzer Leipzig fragt Wunder Punkt

Weitersagen!.


Das folgende Interview ist in dem Online-Magazin des Kreuzer – Leipzig erschienen. Wir danken ganz herzlich für die Genehmigung, das Interview hier auf unserem Blog veröffentlichen zu dürfen.

kreuzer: Wie sind Sie zur Zauberei gekommen – und geblieben?

PETER GRANDT: Wahrscheinlich bleibt man dabei, wenn die Zuschauer dem Zauberlehrling am Anfang nicht zu oft auf die Schliche kommen…

ROBERT ESSL: Eigentlich wollte ich lernen, beim Kartenspielen zu schummeln, hatte aber keine Ahnung, wo. In einem Zauberladen stieß ich auf Bücher über Kartenzauberei. Daran habe ich mich gleich fest gebissen und sehr intensiv mit beschäftigt. Schummeln beim Kartenspielen kann ich aber bis heute nicht.

MARKUS TEUBERT: Für mich ist es kaum zu verstehen, dass man, einmal mit dem »Bazillus Magicus« angesteckt, davon wieder loskommt. Obwohl ich viele Jahre die Zauberkunst nur neben einem »richtigen« Beruf betrieben habe, war immer klar, dass ich irgendwann ausschließlich zaubern möchte. Der Auslöser war eine Kinderzaubershow des DDR-Zauberers Jochen Zmeck, etwa 1974.

kreuzer: Was ist das Besondere an Wunder Punkt?

GRANDT: Der Zauberer, im allgemeinen ein Solist, kann hier mit anderen zusammen arbeiten und Möglichkeiten entdecken, die dem Solisten verwehrt bleiben – betreffs des Repertoires oder auch der tricktechnischen Möglichkeiten.

ESSL: …und auch bezüglich der Inszenierung.

GRANDT: Ich sehe Wunder Punkt an einem spannenden Punkt mit großen Entwicklungsmöglichkeiten. Leider verschleißt sich der nicht subventionierte Künstler zu sehr, denn die notwendigen Investitionen an Zeit und Geld sind kaufmännisch nicht zu rechtfertigen. Aber wenn das Projekt weiterbesteht, wird dem heutigen Schwerpunkt – fassungsloses Staunen herzustellen – ein theatralischer hinzugefügt. Die drei Zauberer werden in ihren unterschiedlichen Rollen deutlicher erkennbar werden und Konflikte miteinander austragen. Ob das alles zu intellektueller Größe führt, hängt davon ab, ob sich Hilfe findet. Über die finanziellen Aussichten des Berufsstandes Künstler, der inzwischen geschlossen zu Altersarmut führt, müsste einmal gesprochen werden. Kunst entsteht, wenn am Ende des Monats noch Geld für Kunst verfügbar ist. Soll heißen: Der Künstler wundert sich, dass die Kulturpolitik noch immer nicht weiß, dass neben Architekten, Steuerberatern und Anwälten auch Künstler eine Honorarordnung brauchen. Die Künstlersozialkasse erklärt regelmäßig, der Berufsstand der freischaffenden Künstler gleiche dem der Bettler, und die Kulturpolitik lässt sich immer noch die Budgets kürzen.

kreuzer: Herr Essl, hat das Zaubern etwas mit Ihrem Hauptberuf Mediziner zu tun?

ESSL: Es ist eine Ergänzung, außerdem liebe ich meinen Beruf. Aber man wird kein guter Arzt, wenn man sich nur mit der Medizin beschäftigt. Für den Zauberer gilt das Gleiche. Wichtig ist, beides sorgfältig zu trennen, sonst landen wir schnell wieder beim gemeinsamen Ursprung beider Disziplinen: dem Wunderheiler, Schamanen, Guru.

GRANDT: Der Zauberer der Urzeit ist nicht nur der Vorläufer des Zauberkünstlers oder des Arztes, sondern der Vorläufer des Wahren, Guten und Schönen insgesamt. Der frühe Zauberer ist der Urahn des Wissenschaftlers, Philosophen und Künstlers! Das ist exklusiv für den kreuzer die kürzeste Analyse der Zauberkunst bisher!

kreuzer: Denken Sie sich selbst Ihre Tricks aus?

Die Speisekarte

GRANDT: Wir interpretieren. Das Erschaffen eines Kunststückes kann eine komplexe Angelegenheit sein. In der Regel gibt es so viel klug Ausgedachtes, dass man sich heute sehr gute Kunststücke aussuchen kann, wenn man sie zu finden weiß. Das Auffinden derselben ist eine Grundschwierigkeit, die im Theater ganz ähnlich ist. Auch die Unsitte des Bearbeitens hat der Zauberer sich beim Theater abgeschaut. Das führt ebenfalls zu verheerenden Ergebnissen: Entweder der Trick ist schlecht, dann richtet es auch die Bearbeitung nicht, oder der Trick war gut, bevor der Bearbeiter das Messer wetzte.

kreuzer: Haben Sie einen Lieblingstrick?

GRANDT: Der routinierte Gesprächspartner antwortet darauf: immer der neueste Trick. Denn das Aufführen einer Illusion ist ein unglaublich komplexes und anfälliges Vorhaben.

ESSL: Mit zwei Kunststücken habe ich mich die letzten Jahre sehr intensiv beschäftigt: dem Becherspiel und dem Löffelverbiegen. Das Becherspiel ist das nachweislich älteste Kunststück, aber es hat bis heute nichts an seinem Reiz eingebüßt. Es ist eine kleine Welt für sich; gewissermaßen die ganze Welt der Zauberkunst im Kleinen.

TEUBERT: Ich arbeite gerade am klassischen Ringspiel. Unfassbar, welch unglaublichen Effekte damit möglich werden. Ich würde es tatsächlich als mein derzeitiges Lieblingskunststück bezeichnen – und ich bin kein routinierter Gesprächspartner.

kreuzer: Gibt es einen besonderen Trick, den Sie unbedingt noch lernen wollen?

ESSL: Zurzeit arbeite ich daran, eine Zitrone mit einer Tomate zu einer Orange verschmelzen zu lassen. Gewissermaßen eine Farbenlehre für Zauberer.

kreuzer: Was ist schwieriger: Ein Kaninchen verschwinden lassen oder Gedankenlesen?

GRANDT: Ein Kaninchen erscheinen zu lassen scheint schwieriger zu sein, man sieht es viel seltener. Wie in der Mode gibt es auch in der Zauberei aktuelle Strömungen. Der Zyklus beginnt mit dem Taschenspieler, der eine Münze aus der Luft greift. Die Suche nach der Sensation macht aus dem Taschenspieler einen Illusionisten: Er lässt einen Elefanten verschwinden. Wenn die Gigantomanie nicht mehr steigerbar ist, schlägt die Stunde der Minimalisten. Der Mentalist ist das, was in der Architektur Bauhaus heißt. Selbst die Münze des Taschenspielers wird nicht mehr benötigt, der Manipulator verwandelt einen Gedanken im Kopf des Zuschauers.

ESSL: Am schwierigsten ist es, die Gedanken eines Kaninchens zu lesen.

kreuzer: Will sich Ihr Publikum bezaubern lassen oder wartet es darauf, den Trick zu entlarven?

GRANDT: Natürlich will das Publikum den Trick entlarven. Wenn es das nicht wollte, würde ich das Publikum nicht mögen. Und doch wünscht das Publikum zutiefst, dass die Illusion gelingt. Dieser Widerspruch verweist auf das, was die ewige Faszination unserer Gattung ausmacht. Das Staunen ist unsere Form der Poesie, unsere Gattungsschönheit.

ESSL: Das Publikum spürt sehr genau, wann es veralbert wird. Zauberkunst ist eine ehrliche Kunst. Anzustreben ist folgendes: Im Moment der Illusion will der Zuschauer an das Wunder glauben, aber gleichzeitig kann er das Gesehene als Illusion einordnen. Ich denke da an die berühmte Antwort von Madame du Deffand auf die Frage, ob sie an Gespenster glaube: »Nein. Aber ich fürchte mich vor ihnen!«

kreuzer: Warum sind die Menschen auch im digitalen Zeitalter noch fasziniert von der Zauberkunst?

TEUBERT: Die Faszination von Dingen wie Gedankenlesen, Schweben, Erscheinen, Verschwinden usw. ist immer gleich groß, da verändert auch das digitale Zeitalter nichts. Wenn technische Methoden und Erklärungen ausgeschlossen werden können, sind wir doch wieder bei Null.

ESSL: Umgekehrt sind wir Zauberer auch vom digitalen Zeitalter fasziniert. Auf unserem Blog versuchen wir die Möglichkeiten der digitalen Welt für uns zu erschließen. Da können die Besucher selbst eine Münze verschwinden lassen und Peter wird demnächst erklären, wie Uri Geller Löffel von den Fernsehgeräten der Zuseher durchs Zimmer fliegen lässt.

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